Samstag, 22. Oktober 2011

Bannergatha Nationalpark

So Freunde und Familie, mein Freund Stefan ist seit Montag wieder zu Hause in Deutschland und erholt sich vom bösen Essen in Indien. Er hat sich hier sehr wohl gefühlt, sein Magen eher nicht. :)

Unter anderem waren wir im Bannergatha Nationalpark, der ziemlich nahe an unserer Uni ist und somit nur eine Autostunde entfernt ist. Eigentlich war ich nicht wirklich scharf darauf erneut Tiere unter schlechten Bedingungen in Gefangenschaft zu sehen, aber ich war doch neugierig, ob ein Nationalpark einen so großen Unterschied zu einem Zoo macht.

Nagraj, ein Studienkollege von mir, der übrigens im kommenden Jahr nach Hof kommt und an unserer schönen FH sein Praktikum macht, hat uns angeboten, mit dem Auto hin zu fahren und uns zu begleiten. Kurzum habe ich auch noch meine beiden Schweden gefragt, ob sie uns begleiten wollen und letztendlich haben wir zu fünft in einem Auto gesessen, dass ursprünglich nicht mal für mehr als zwei Personen konstruiert wurde. Somit waren die gewohnten Zustände, wie in den öffentlichen Verkehrsmitteln hergestellt und man fühlte sich doch gleich viel wohler. :)

Am Nationalpark angekommen haben wir erstmal das Angebot analysiert und uns für eine Safari mit dem Bus entschlossen. Da Nagraj für uns die Karten gekauft hat, haben wir diesmal keinen "Weißenbonus" zahlen müssen, der sonst wieder fällig gewesen wäre. Nach kurzer Wartezeit konnten wir in den Bus steigen, der wie ein typischer kleiner, indischer Bus ausgesehen hat, nur dass zusätzlich noch Gitter vor den Fenstern waren. Als wir losgefahren sind, hat es nicht lange gedauert, bis wir die erste Schleuse passiert haben. Dabei kam richtig Jurassic-Park-Stimmung auf: Erst die Gitter an den Fenstern, der kleine Bus und dann noch die Schleuse und der einige Meter hohe Zaun mit Stacheldraht. Es hat nur noch das Schild mit der Aufschrift "Raptorengehege" gefehlt. :)

Die ganze Safari ging durch die verschiedenen Gehege und ich versuch mal eine Bildergeschichte daraus zu basteln, ist mir gerade so in den Sinn gekommen:




Micha im Nationalpark

Micha und seine Freunde haben den Nationalpark besucht, um dort eine Safari zu machen.

Jonathan war sehr aufgeregt und...

 ... vor Freude.

Sie waren aber nicht die einzigen, die wilde Tiere sehen wollten.


 Es waren auch viele...


... dort. Doch bevor es losging, mussten die Freunde erst einmal auf den Bus ...


Als es dann endlich so weit war, haben sie...


... gesehen und ...


... und ...

Das war schon alles sehr aufregend für die Jungs.
Dann ist der Bus in den Raubtierbereich gefahren, wo die gefährlichen Tiere leben. Dort haben sie schlafende...

... gesehen. Einer war müder als der Andere.


Dann kamen plötzlich...


... an dem Bus vorbei. Micha konnte sogar einen...

 .
..durch das Fenster streicheln.
Als der Bus um die nächste Kurve vor, standen plötzlich...


 ...auf der Straße und spielten miteinander.

 Ein...


... hat sich mit seinen großen Pranken an einen Baum gekrallt und ein anderer...


...hat sich so wohl gefühlt, dass er sich mehrmals auf seinen Rücken rollte.

Als die Freunde glaubten, sie haben schon alle Raubtiere gesehen, kam ein...


... um die Ecke und lief direkt an Micha's Fenster vorbei. Dann drehte sich der...


... um und verschwand im...


Gleich darauf haben die Freunde einen...



... gesehen, der sich die Zunge nach den Freunden leckte. Nachdem die Safari vorbei war, hatten die Freunde erstmal richtig Hunger. Sie sahen ein paar...


..., die Nüsse abfüllten und einen Mann, der...


 ...geröstet hat. Nagraj hat den Freunden erst einmal etwas...


 Danach hatte Micha noch Durst auf eine...


 ...-Limonade und hat sich für den Rest des Tages noch...


 ...gekauft, denn der Tag war noch lange nicht vorbei. Danach sind die Freunde noch in den Zoo gegangen. Dort haben sie...


 ...und...


...und...

  
...und...


...und...


...und...


...und noch mehr...


  ...und auch noch eine...

  
...und danach haben sie ein fressende...


 ...und dann nochmal eine indische...


...gesehen.  Der Tag war ganz schön aufregend für die Freunde. Sie haben so viel gesehen und erlebt, so dass sie es gleich ihren Familien erzählen mussten. 
Und was der kleine Micha und seine Freunde sonst noch so erleben, erfahrt in im nächsten Kapitel.




Donnerstag, 20. Oktober 2011

Founders Day

Das "International Institute of Information Technology Bangalore" wurde am 15. September 12 Jahre alt. Glaube ich zumindest, dass es 12 Jahre alt wurde. Jedenfalls gab es eine fette Party. :)
Da mir mal wieder nicht Bescheid gegeben wurde und ich den Tag mit der Sabrina in der Stadt verbracht habe, sind wir leider erst zum "AbschlussSpringbrunnenAnschauen" am Campus eingetroffen. Doch bevor das Highlight des Abends begann waren wir erst einmal im allseits beliebten Food-Court und haben zu Abend gegessen. 
Da an diesem Abend ein besonderer Tag war, gab es auch besonderes Essen. Nein, diesmal bin ich nicht sarkastisch wenn ich sage, dass das Essen wirklich lecker war. Denn es war wirklich lecker, zudem gab es Eis, dass auch lecker war und wenn man seit langer Zeit kein kaltes Essen bekommen hat, kann so eine Kugel Erdbeereis ein echtes Highlight darstellen. :)
Es gab bisher zwei mal leckeres Essen am Campus: Einmal an der Freshersparty, was ich, glaube ich, gar nicht erwähnt habe und am Foundersday. Beidemale kam das Essen von einem anderen Zulieferer und war wohl auch etwas teurer. Wenn es nach mir ginge, würde ich die paar Cent gerne mehr bezahlen, da das Essen hier umgerechnet gerade mal 0,40€/Mahlzeit kostet, aber ich bin wohl einer der wenigen die sich über das Essen hier beschweren, ich verwöhntes Stück. ;)

Special Dinner

Ich bin zwar schon etwas besser geworden, was die Bezeichnungen für das Essen angeht, aber da ihr nichts damit anzufangen wisst und ich auch nicht alles erkannt habe, überspringe ich diesen Abschnitt und konkludiere, dass das Essen diesmal wirklich gut war. 


Sabrina mit Dessert: Beeren, die in einem Blatt eingewickelt waren.

Nach dem vorerst leckeren, letzten "Food-Court-Abendmahl" sind wir zum Haupteingang gelaufen und haben durch Zufall - wie ich auch sonst, mir sagt ja keiner Bescheid - gesehen, dass der Springbrunnen eingeschaltet war. Gut, Springbrunnen trifft es nicht ganz, es ist wohl eher eine sündhaft teure "Wasserfontänenanlage" die passend zur eingespielten Musik Wasserfontänen in den Abendhimmel malte.
Die Temperatur lag, wie gewohnt, bei angenehmen 26-28°C, die indische Musik und die farbig beleuchteten Wasserstrahlen haben eine wirklich entspannende und typisch indische Atmosphäre gezaubert. Viele meiner Kommilitonen standen um den Brunnen herum und haben Bilder gemacht und dem Schauspiel zugesehen. 
Damit war die Veranstaltung zum Foundersday zu Ende und wieder habe ich ein weiteres, schönes Kapitel in meinem Buch "Micha in Indien" hinzufügen können.

Hier, wie gewohnt, ein paar Bilder vom Abend. 

Das Hauptgebäude bei Nacht. Normalerweise ist in den kleinen Pools kein Wasser, aber an diesem Tag schon. Hat richtig gut in die ganze Atmosphäre gepasst. Insgesamt, war die gesamte Uni richtig "rausgeputzt" :)

Der besagte Springbrunnen ;)

Götterspeiseformation

...auch mal in Grün

Montag, 17. Oktober 2011

Schlangen

Hallo Freunde,
diese Mail hat mich letzte Woche erreicht und heute habe ich sie in meinem SPAM-Ordner gefunden. :)


URGENT AND IMPORTANT INFORMATION

Dear All


A  snake is found and caught in college campus. It could be poisonous.
Its request to everyone for your safety, do not go in garden or near pond during dark.
There might be more snakes.

Take care of yourself and your friends.

Regards
Dheryta Jaisinghani



Hier die deutsche Übersetzung


DRINGENDE UND WICHTIGE INFORMATION

An Alle,

Eine Schlange wurde am Universitätsgelände gefunden und gefangen. Sie könnte giftig sein. Es wird darum gebeten zu eurer Sicherheit nicht in den Garten oder in die Nähe des Teiches zu gehen, wenn es dunkel ist. Es könnten noch mehr Schlangen da sein.

Passt auf euch und eure Freunde auf!

Grüße,
Dheryta Jaisinghani

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Musikfestival

Hey Freunde und Familie,

da ich momentan, mal wieder, Besuch habe und ich nicht zum Schreiben komme, gibt es heute wieder einen Eintrag, der schon ein bisschen älter ist. Diesmal kommt mich mein bester Freund Stefan besuchen. Abgesehen davon, waren letzte Woche Zwischenprüfungen und mittlerweile fangen auch viele Projekte an richtig Arbeit zu machen, aber ich will mich ja nicht beschweren.
Mir geht es mittlerweile richtig gut hier. Ich fühle mich wohl und bin gesundheitlich wohl auf und die Inder verstehe ich auch immer besser. :)
Machts gut!

Euer Micha


Vor einem Monat gab es bei uns an der Uni ein kleines Musikkonzert. Wie immer, habe ich erst davon erfahren, als ich zufällig durch den Gang der Uni gelaufen bin und mich ein anderer Student freundlich zu dem Konzert eingeladen hat, das JETZT stattfindet. Die Musiker sind recht bekannt in Indien und es ist eine große Ehre, dass sie bei uns an der Uni spielen. Schnell bin ich in mein Zimmer gespurtet und hab meine Kamera eingepackt, Jimmy und Jonathan Bescheid gegeben und bin dann, so schnell ich konnte, in den mittlerweile in einen Konzertraum umgebauten Hörsaal gespurtet, welcher mir mein Kommilitone genannt hatte. Es lag ein großer roter Teppich auf dem Boden, auf dem wohl die Gäste Platz nehmen sollten und an einem Ende des Saales stand eine kleine Bühne auf dem niemand zu sehen war. Nur ein paar Techniker sind im Raum herumgelaufen und haben die großen Boxen aufgestellt und die Mikrofone getestet. Von wegen, das Konzert ist jetzt :)
Nach einer knappen Stunde, die wir sitzend in der ersten Reihe verbracht haben, sind die ersten Studenten eingetroffen und somit war ich frohen Mutes, dass es JETZT bald los geht. Nach einer weiteren langen Weile sind dann die ersten Professoren eingetroffen, der Präsident der Uni und auch die Band.
Auf der Bühne standen mittlerweile viele Musikinstrumente, von denen ich die meisten noch nie vorher gesehen habe. Wenn ich es hätte beschreiben müssen, hätte ich gesagt, dass es Trommeln, Gitarren und eine Ziehharmonika waren, aber die Instrumente waren doch etwas spezieller. :)
Zu Beginn wurden die Musiker von den Studenten begrüßt und nachdem einige Geschenke und Höflichkeiten ausgetauscht wurden -  Respekt und Anerkennung sind hier sehr wichtig - wurden die einzelnen Musiker vorgestellt. Jeder von ihnen ist wohl eine Berühmtheit für sich - deren Namen mir nicht das geringste gesagt haben - und wohl einzigartig im Bereich der Filmmusik. Jeder der schon einmal einen Film über Indien gesehen hat, wird den Klang der Instrumente sofort wiedererkennen.
Nachdem nun auch jeder einzelne Musiker vorgestellt wurde, seine bisherigen Leistungen hervorgehoben und gelobt wurden, ging es dann endlich auch los. :)

Die Lieder waren teilweise tausende Jahre alt - ja, richtig tausende, zumindest hat der "Front-man" das behauptet - und waren nur schwer in die aktuellen Musikrichtungen einzuordnen. Ein Lied hat eine Geschichte als Text enthalten, die von einem Jungen erzählte, der von zu Hause weggelaufen war, um die Welt zu entdecken. Ein anderes Lied handelte von Vertrauen und Misstrauen und ein Weiteres war ein Medley aus den letzten 1500 Jahren Musikgeschichte.
Die Akustik war sehr gut. Eigentlich wäre es nicht nötig gewesen, die Instrumente akustisch zu verstärken, denn sie haben auch so richtig "Krach" gemacht. Am Anfang waren der Klang der Instrumente und der Gesang etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich fand sehr schnell Gefallen daran.

Der Nachmittag war sehr schön und leider etwas kurzweilig. Während der ganzen Veranstaltung lag wieder das Gefühl der großen Gemeinschaft in der Luft, in der jeder ein Teil des Gesamten ist und man sich eigentlich nie alleine fühlt. Das hab ich jetzt schon öfters hier erlebt und ich muss sagen, so ein bisschen mehr "Gemeinschaftsfeeling" würde in Deutschland viel Dinge angenehmer machen.
Bin mal gespannt, was noch so alles kommt. :)

Hier noch ein paar Bilder und ein Video.

 
Hier etwas neueres :)

 
Und hier etwas älteres

Prof. Dinesha (links) überreicht ein Geschenk

Die Band

Die Trommeln waren richtig laut

Vor der Bühne


Indischer Steckdosenadapter :)

Montag, 3. Oktober 2011

Wäsche waschen


Ich gebe zu, dass es ein etwas ungewöhnlicher Blogeintrag ist, aber auch das ist ein Teil meines Lebens hier. :)

Von meinem trauten Heim bin ich es gewohnt, meine Wäsche in einer Waschmaschine zu waschen. Hier steht mir leider keine Waschmaschine zu Verfügung und der angebotene Wäschedienst von der Uni ist mir zu unzuverlässig, was die Dauer der Reinigung angeht und wenn man seine Unterwäsche waschen lässt, wird es sogar recht teuer. Denn es wird jedes einzelne Kleidungsstück gezählt und muss selbst bezahlt werden. Auch die anderen Studenten waschen ihre Wäsche meistens selbst.

Normalerweise stehe ich jetzt da, wo die Sabrina steht, aber man soll die Frauen ja nicht von der Arbeit abhalten. :p


Deshalb wasche ich meine Wäsche selbst per Hand.
Das sieht im Detail so aus, dass ich mir meinen rosa Eimer voll Wasser laufen lasse und etwas Waschmittel dazu gebe. Danach wird meine gesammelte Wäsche (im Schnitt, wasche ich jede Woche einmal) erst einmal eingeweicht und danach gründlich durchgewaschen. Danach wasche ich die Wäsche in klarem Wasser wieder aus, was bei den T-Shirts sehr schnell geht und bei den Socken doch etwas länger dauert. Danach wringe ich die Wäsche so gut es geht aus und im Hostel gibt es viele Möglichkeiten, um die nasse Wäsche zum Trocknen aufzuhängen, doch leider sind die meisten Kleiderständer ständig belegt.
Vor drei Wochen haben wir einen neuen Kleiderständer direkt vor meinem Zimmer bekommen. Sehr praktisch wie ich finde. :)
Da es hier immer warm und trocken ist, trocknet die Wäsche, interessanterweise immer faltenfrei, innerhalb von zwei Tagen.

Und nächste Woche erfahrt ihr im Eintrag "Micha waschen", wie ich mich selber wasche - nein, das erspare ich euch lieber. :p

Machts gut! 

Wäscheständer-Initiative für meine T-Shirts, eigentlich ist es ein Geländer.



Donnerstag, 29. September 2011

Kurzurlaub in Kerala

Hi Friends!

Wir haben ein wunderschönes, aber sehr anstrengendes Wochenende hinter uns:
Am Freitag sind wir um 7 Uhr morgens an den Flughafen von Bangalore gefahren, um von dort aus nach Kochi in Kerala (Kerala ist der südlichste Bundesstaat von Indien) zu fliegen.
Allein der Flug an sich ist schon ein kleines Abenteuer, denn für den gut einstündigen Flug wird natürlich keine Boeing eingesetzt sondern eine Propeller-Maschine. Wenn das Flugzeug gelb und rot gewesen wäre, hätte es glatt die Seegans aus Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew sein können. Trotz unseres anfänglichen Misstrauens war das Flugzeug jedoch recht komfortabel und der Flug angenehm und kurzweilig, sogar die Luftpiraten sind ausgeblieben. :)

Flugzeug vom Typ "Seegans" oder auch ATR

In Kochi angekommen sind wir dann ca. 2,5 Stunden mit einem alten Taxi aus Kolonialzeiten nach Fort Kochi gefahren, wo sich unser Hotel für die erste Nacht befand. Das "Hotel" hatte 20 Zimmer und ist eher mit einen großem Gästehaus zu vergleichen als mit einem großen Hotel. Überraschenderweise war das Zimmer und auch das gesamte Haus sehr sauber und hatte eine einladende Atmosphäre. Im Obergeschoss befand sich das Restaurant, mit einem wunderschönen Blick auf den indischen Ozean. Da gerade keine anderen Gäste da waren, waren wir ganz allein im Restaurant. Es war ruhig, der Wind wehte angenehm durch die Kleider und das Essen war sehr lecker. So langsam kam doch ein bisschen Urlaubsstimmung auf. :)

Eingangshalle des Hotels

Micha mit Meer im Hintergrund (sieht man leider nicht so gut...)
In Fort Kochi selbst war das Wetter ziemlich heiß und feucht, weshalb wir den Rest des Tages damit verbracht haben, auf einem Weg entlang des Strandes zu laufen und uns im Schatten zu erholen. Fort Kochi ist ein sehr malerischer Ort, es wirkt fast ein bisschen "vergessen", obwohl es wiederum recht belebt ist, sind sehr viele Häuser, Straßenlampen etc. von Pflanzen regelrecht zu gewuchert. Wie z.B. der LKW auf dem Bild hier:
Zugewucherter LKW und Motorräder

Kerale bzw. Kochi bot uns ein ganz anderes Bild als Bangalore: Fast an jeder Ecke findet man andere Touristen und "Weiße", sodass man selbst nicht mehr ganz so stark auffällt. Im Allgemeinen ist Kerala ein ganz anderes Indien als das, was wir bisher gewohnt waren: Viel weniger Dreck, viel weniger Verkehr und damit auch viel weniger Lärm - man könnte sich glatt daran gewöhnen :-)

Am nächsten Tag haben wir uns auf den Weg nach Allepey gemacht, das eines der größten Anlaufstellen für Bootstouren in den Backwaters in Kerala ist. Mit dem Bus sind wir nach ca. 1-2 Stunden in Allepey angekommen und interessanter- und angenehmerweise war es hier nicht ganz so warm und feucht wie in Kochi. Nach kurzer Orientierungslosigkeit, wo genau wir denn eigentlich in Allepey gelandet sind, haben wir einen vertrauenswürdigen Anbieter für Bootstouren gefunden und konnten somit recht bald auf dem Hausboot die Füße hoch legen. Die Crew, die aus drei Männern bestand und sich mit Kochen und Steuern abgewechselt hat, war die ganze Zeit mit an Bord und hat sich wirklich gut um uns gekümmert. Es gab die ganze Fahrt über frisches Obst und Trinkwasser. Zudem wurden wir mittags und abends mit typisch indischen Gerichten verwöhnt. Der Micha hat beim Abendessen zubereiten sogar mitkochen dürfen.

Bevor es Abendessen gab, sind wir noch mit einem kleinen Langboot, das für maximal drei Personen gedacht war, in einen seitlichen Kanal gefahren und konnten somit einen wunderbaren Einblick in die uns bisher verborgen Wohngebiete bekommen, die etwas "tiefer" in den Backwaters liegen.

abgelegener Kanal bei Sonnenuntergang

Sabrina beim Rudern durch den Kanal
Während der Fahrt auf den Backwaters konnte man allerhand sehen und erleben. Für uns und andere Touristen scheint dieses Gebiet einfach nur schön und paradiesisch. Doch je mehr man die Leute beobachtet, die hier leben umso mehr wird einem bewusst, dass die Leute hier ihr ganzes Leben verbringen und die Backwaters für sie keine romantische Bootstour sind, sondern ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur und ihrer Ökonomie ist. Sie leben mit und vom Wasser. Während wir abends, durch den Kanal gerudert sind, haben wir viele Inder gesehen, die sich im Wasser gebadet haben. War schon ein komisches Gefühl, in diesem Moment an ihnen vorbei zu rudern. Eigentlich ist es nichts anderes, als wenn man selbst, nach einem langem Tag froh ist, endlich unter die Dusche zu können und plötzlich kommen ein paar Touristen im eigenen Badezimmer vorbei und grüßen freundlich. Wobei die meisten Leute uns auch fröhlich gegrüßt haben und vor allem die Kinder sehr viel Spaß an uns hatten.

Nach dem wieder einmal leckeren Abendessen haben wir noch eine Weile die Geckos beobachtet, die bei Einbruch der Dunkelheit in Scharen auf dem Boot auf der Jagd nach Fliegen und Mücken waren - nette kleine Tierchen :-)

Am nächsten Tag haben wir früh am "Hafen" angelegt und uns müde und glücklich auf den Rückweg gemacht. Das Wochenende war wirklich gelungen und eine schöne Erfahrung.

Hier sind noch ein paar Bilder für euch:

Kanal durch die Wohngebiete


Sonnenaufgang am nächsten Morgen in den Backwaters


Einer der vielen Gekkos die uns die Mücken fern hielten

Sabrina mit Rucksack in Allepey


Inder mit Boot am Morgen in den Backwaters

Micha in Sessel auf dem Houseboat

Transport auf den Backwaters

Irgendwo in den Backwaters

Eine Inderin wäscht ihr Wäsche in den Backwaters

Einige Kinder

Unser Mittagessen - war richtig lecker :)

Reisfelder - direkt am Wasser
"Spice market" in Fort Kochi

Buskontrolleur und Fahrgäste in Kochi

Dienstag, 27. September 2011

Sri Krishna Temple 2. und 3. Versuch

Hallo Leute!

Nachdem der Micha bereits Mitte August erfolglos versucht hat den Sri Krishna Temple zu besichtigen, haben wir letzten Mittwoch zusammen einen neuen Versuch gestartet.
Wir sind mit dem Bus ca. 2 Stunden lang zum Hauptbahnhof von Bangalore gefahren und von dort aus noch einmal 20 Minuten mit der Rikscha, um dann festzustellen, dass der Tempel bis 12:50 Uhr geöffnet hat, es aber bereits 13.30 Uhr war ... und der nächste Einlass war erst wieder um 16 Uhr.
Da wir zudem beide hungrig waren, fragten wir ein paar Rikscha-Fahrer, wo die nächsten Restaurants seien. Nachdem sie vergeblich versucht haben uns ans andere Ende von Bangalore zu chauffieren, sind wir mit dem Bus zu dem nächsten großen Kaufhaus mit einigen Schnellrestaurants gefahren. Dort haben wir uns zwei Burger (Sabrina: veggy, Micha: non-veggy) bestellt und sie hinunter geschlungen, um pünktlich um 16 Uhr wieder zurück am Tempel zu sein.
Dort angekommen, mussten wir zunächst unsere Schuhe ausziehen und unsere Füße waschen, bevor wir barfuß den Weg hinauf zum Tempel gehen durften. Dieser war durch ein Geländer geteilt, sodass die ankommenden Besucher in zwei Gruppen geteilt wurden. Der Tempel ist von außen gesehen, in vier Ebenen eingeteilt, die jeweils mit Treppen verbunden sind. Auf jeder Ebene war ein Tempel, die mit steigender Anzahl an bestiegenen Ebenen immer größer wurden.

Sri Krishna Tempel - Gesamtansicht

Während wir auf unserer Seite des Weges liefen wunderten wir uns, dass auf der anderen Seite viel mehr Leute gelaufen sind und wir eigentlich ziemlich alleine waren. Als wir die Eintrittskarten gekauft haben, wurde uns auch nur eine Option gegeben.  Dass wir, schon wieder, die teurere Touristenoption bekommen hatten wurde erst klar, als wir vor den einzelnen Tempel direkt in erster Reihe standen und hinter uns "der Mopp" stand. Schön getrennt in zwei Klassen. 
Uns war schon etwas unwohl, als alle Gläubigen hinter uns anfingen zu beten und versucht haben, so nahe wie möglich an den Altar heranzukommen und wir standen zwei Meter weiter vorne und haben das ganze Geschehen, recht anteilslos,  beobachtet.
Im größten Tempel durften wir an einer Zeremonie teilnehmen, die damit begann, dass ein... - ich weis nicht genau, wie die Leute genannt werden, die in dem Tempeln arbeiten, deswegen nenne ich sie jetzt einfach Templer. Nein, ich nenne sie Geistliche. Glaube das kommt ganz gut hin. Also, nochmal:

Im größten Tempel durften wir an einer Zeremonie teilnehmen, die damit begann, dass ein Geistlicher uns aufforderte unsere Hände über einen Korb mit Blumen zu legen und uns nach unseren Namen fragte. Er brummelte dann irgendwas in einer Sprache die ich vorher noch nie gehört hatte und fügte dazwischen unsere Namen ein. Das klang dann ungefähr so:
"Brummel, Brummmmel, Krishna, Krishna, Rama, Rama, Brummmmel, Sabrina, brummmel, brummel, Michael, Brummel, Krishna, Krishna....Hare, Hare..."

Figuren am Altar im großen Tempel
Danach wurden wir vor den prunkvollen und kitschigen "Haupt"-Altar geführt und wurden dazu aufgefordert ein Lied mit zu singen. Der Text war so einfach, sodass ich ihn jetzt noch weiß:

Hare Krishna, Hare Krishna, 
Krishna, Krishna, Hare, Hare,
Hare Rama, Hare Rama,
Rama, Rama, Hare, Hare.

Auf dem "Lied"-Blatt war noch erwähnt, dass man das Lied mindestens 134 mal am Tag singen sollte und dabei fröhlich und glücklich sein soll. :)
Danach war die Zeremonie zu Ende und wir haben uns noch eine Weile im Tempel aufgehalten um die wirklich spirituelle Atmosphäre zu erleben und etwas zu entspannen. Mit dem Leuten einiger Glocken - nein, keine Kirchenglocken - wurde den Besuchern mitgeteilt, dass der Tempel jetzt schließen würde, also haben wir uns auf den Weg aus dem Tempel gemacht. Um in den Tempel zu kommen, brauchten wir ca. 5 Minuten. Um heraus zu kommen, brauchten wir ca. 30 Minuten, da man an gefühlten 100 Verkaufsständen vorbei gelotst wurde, an denen man Krishna-Figuren, Krishna-DVD's, Krishna-Bilder und jede Menge Essen kaufen konnte. Es gab sogar ein kleines Restaurant, mit Sitzgelegenheiten. Nachdem wir den Weg in die Freiheit durch das kommerzielle Labyrinth gefunden hatten, sind wir mit dem Bus zurück ins Hotel gefahren. Vorher haben wir uns natürlich noch unsere Schuhe abgeholt. :)

Altar im großen Tempel

Die folgenden Zeilen sind von Micha geschrieben:

Wenn man im Christentum aufgewachsen ist und die Kirche mit ihren Zeremonien und Werten kennt, ist es sehr interessant zu sehen, wie Glauben auch noch gelebt werden kann. Der typische katholische Sonntagsgottesdienst ist, zumindest war es bei mir so, vor allem für Kinder, doch eher etwas Unangenehmes. Man muss still sitzen, darf nicht spielen und sich auch nicht unterhalten, insofern es dem Kind möglich ist zu reden. Insgesamt gilt die Regel: Ruhig verhalten und nicht auffallen!
Im Hinduismus/ in Indien wird alles etwas lockerer genommen. Man darf sich unterhalten, die Kinder können fröhlich mit ihren Eltern spielen und laut lachen. Es soll allen Beteiligten Spaß machen und sie sollen den Besuch genießen. So war zumindest mein Eindruck. Ich möchte hier keine Kritik üben, sondern euch einfach nur die Atmosphäre vermitteln, die wir erlebt haben und ich glaube, wenn man etwas Unbekanntes mit etwas Bekanntem vergleicht, bekommt man eine bessere Vorstellung davon. 

Nachdem ich meine Kamera nicht mitnehmen durfte, hab ich jetzt einfach ein paar Bilder von den Postkarten gemacht, die ich dort gekauft habe.


Großer Tempel



Figur auf Altar

Dienstag, 20. September 2011

Vorlesungen

Hallo Freunde,

nachdem ich ja schon einige Zeit hier bin, kann ich auch etwas über den Studienalltag schreiben.

Vorlesungen an sich sind hier etwas anders als an deutschen Hochschulen. In der ersten Woche konnte ich mir alle Vorlesungen einmal "anschauen" und musste dann entscheiden, welche ich besuchen möchte. Von daher war meine erste Woche ziemlich anstrengend, da ich täglich von 8:00 Uhr bis 17:30 beschäftigt war. Die Auswahl der Vorlesungen insgesamt ist ganz okay. Ich hab mir ein paar interessantere Dinge erhofft, aber vielleicht steckt ja in der einen oder anderen Veranstaltung mehr drin als ich denke. Mittlerweile hab ich mich auf die Vorlesungen Software Testing, Multiagentensysteme und Usability Engineering beschränkt. Zudem kommt noch ein großes Projekt, dass mir ein Professor angeboten hat.

Die Ausstattung in den einzelnen Räumen ist auch sehr ähnlich zu den unseren in der FH Hof. Es gibt Beamer, Leinwände, Whiteboards und Computer. Manchmal ist es schon etwas kurios, wenn in einem Vorlesungsraum ein 19 Zoll Rack mit 20 Server steht und der Dozent gegen den Lärmpegel ankämpfen muss. Wird bestimmt seinen Grund haben, warum der hier steht - oder auch nicht.
Achja, jeder Raum verfügt über eine Klimaanlage, was sehr praktisch ist, außer man ist zu leicht bekleidet, so wie ich die ersten Tage.
Es gibt keine Tische in den Räumen, sondern nur Stühle mit klappbaren Tischchen und das ist eins der Dinge die mich am meisten nerven. Versucht mal einen großen DIN-A4 Ordner auf ein kleines Tischchen zu legen, das dazu auch noch total liedschäftig ist, ihn aufzuschlagen und dann noch etwas darin zu schreiben. Geht nicht!
Einige Stühle haben den "Luxus", dass die Rückenlehne sich nach hinten bewegt, wenn man sich anlehnen möchte. Was sich nach Entspannung anhört, kann ziemlich schnell Rückenschmerzen verursachen, wenn man einfach gerade sitzen und sich trotzdem anlehnen möchte und das nicht geht. Ziemlicher Mist.
Zum Glück sind nicht alle Stühle so und es gibt auch welche mit fixierter Lehne.

Von der Hochschule Hof bin ich es gewohnt, dass jeder Professor ein Skript hat, das er den Studenten, mehr oder weniger vollständig, zugänglich macht und zusätzlich, aber nicht notwendigerweise, weiterführende Literatur angibt. Am IIIT-B ist das anders. Hier wird sehr viel Wert auf Bücher gelegt und ich wurde schon oft gefragt, welche Bücher wir in Hof verwenden und welche Autoren bei uns beliebt sind. In einer Vorlesung kam der Professor rein und stellte kurz das Buch vor, auf das seine Vorlesung aufbaut und ist dann wieder gegangen. Kein Skript, keine Übungen, keine Vorlesung. Entweder ist das typisch Uni und ich bin einfach verwöhnt von meinen wirklich, weitgehend guten Professoren an einer FH, oder es ist einfach Indien. Man wird im Allgemeinen sehr viel alleine und sich selbst überlassen und gerade wenn man komplett neu ist, so wie ich es war, ist das sehr deprimierend.

Prüfungen sind hier auch etwas anders, als bei uns. Also die Prüfung an sich nicht, aber die Häufigkeit und Art der Notenzusammensetzung. In Hof schreiben wir eine Prüfung am Ende des Semester über den gesamten behandelten Stoff. Evtl. gibt es auch mal ein Testat oder eine Präsentation, aber das ist nicht die Regel. Am IIIT-B ist es normal alle zwei bis drei Wochen einen Klassentest, zur Mitte des Semesters eine Zwischenprüfung und zum Ende des Semester eine Abschlussprüfung zu schreiben. Dann gibt es ab und zu mal Hausaufgaben und so gut wie jede Vorlesung hat ein Projekt, dass 1/4 der Gesamtnote ausmacht. Sehr sehr stressig, wenn ihr mich fragt.

Ansonsten ist es sehr ähnlich zu unseren Vorlesungen. Der Professor erklärt etwas und die Studenten fragen nach, falls sie etwas nicht verstanden haben. Manchmal ist es wirklich schwer, die anderen Studenten zu verstehen, da sie manchmal sehr leise reden oder einen sehr schwer zu verstehenden Akzent haben. Die Professoren versteht man im Allgemeinen sehr gut, da sie ein recht akzentfreies Englisch sprechen, verglichen mit dem der Studenten. Aus einer Vorlesung bin ich dann aber doch gegangen, da ich den Professor wirklich gar nicht verstanden habe, da er einen sehr starken Akzent hatte und zusätzlich noch zum Ende des Satzes immer leiser geworden ist.

Hier ist noch ein Bild von einem Vorlesungsraum und vom Gang, damit ihr euch das ein bisschen besser vorstellen könnt.

typischer Vorlesungsraum am IIIT-B

Gang zu den Vorlesungsräumen

Was mir gerade noch einfällt: Ich habe mir, bevor die Entscheidung gefallen ist nach Indien zu gehen, ein paar Videos von Professoren an indischen Hochschulen angesehen, um einen Eindruck zu bekommen, wie es da vor sich geht. Unter anderem habe ich mir das folgende Video angeschaut und mir dabei gedacht, "Wenn du so einen Professor hast, dann verstehst du auch was".
Interessanterweise habe ich letzte Woche festgestellt, als ich meine alten Lesezeichen durchgegangen bin, dass ich genau diesen Professor in einer Vorlesung habe. Von daher, könnt ihr so ein bisschen den Flair des täglichen Universitätslebens erleben. :)




Dienstag, 13. September 2011

Registrierung

Hey Friends,

da ich momentan mit Besserem beschäftigt bin und ich euch aber auch nicht unnötig hungern lassen möchte, gibt es heute einen, schon vor längerer Zeit geschriebenen, Eintrag. Macht es gut!
Micha



In der zweiten Woche, nach meiner Ankunft, mussten wir Auslandsstudenten uns auf den Weg machen um uns zu registrieren. Indien hat im Allgemeinen sehr strikte Einreisebedingungen, besonders wenn man aus Pakistan einreisen möchte. Jeder Besucher, auch wenn es nur ein paar Tage sind, braucht ein Visum, ohne dass er am Flughafen fest sitzt, bzw. garnicht erst in ein Flugzeug Richtung Indien kommt. Je nachdem aus welchem Land man nach Indien kommt und welche Staatsbürgerschaft man besitzt hat man zwischen einem Tag (Pakistan) und zwei Wochen Zeit zur Ausländerbehörde (Foreigner Office) zu gehen und sich dort zu registrieren. In unserem Fall hatten wir zwei Wochen Zeit seit unserer Ankunft in Bangalore. Es waren bereits 12 Tage vergangen und so blieben uns noch zwei Tage um dort aufzutauchen. Falls man das nicht macht, bekommt man richtig Schwierigkeiten und muss evtl. das Land so schnell wie möglich verlassen.
Es war Dienstag 10.00 Uhr. Wir drei (Jimmy, Jonathan und ich) gingen in das Büro von der Uni und wollten eigentlich nur noch Bescheid geben, dass wir jetzt los wollten, als uns eine Mitarbeiterin fragte, ob wir denn schon alle Unterlagen haben, die wir benötigen. Wir nickten einvernehmlich und zeigten ihr unsere Unterlagen. Sie bemerkte nur, dass wir noch ein paar Dokumente vom IIIT-B brauchen und es nicht lange dauert. Zwei Stunden später sind wir dann endlich losgefahren.
Ja, in Indien dauert Manches einfach etwas länger :)
Um nicht all zu spät dort anzukommen haben wir uns ein richtiges Taxi bestellt.
Das Taxi war eine richtig neue Erfahrung. Vom Bus aus, sieht man häufig Privatautos und Taxis in der Stadt fahren. Die meisten Privatautos haben alle, wirklich alle Scheiben sehr dunkel getönt, sodass man den Innenraum und die Fahrgäste nicht sehen konnte. Was auch ganz praktisch ist, weil man eigentlich ständig irgendwelche Leute neben sich, vor sich und hinter sich hat in Bangalore und die Leute sind ständig am glotzen. Gut, mach ich ja auch nicht anders hier. :)
Bisher bin ich nur mit uralten Bussen gefahren, die mitten durch den Stadtverkehr gefahren sind und andauernd wurde gebremst, beschleunigt, gehupt und dann man wieder gebremst. Entspanntes Reisen fühlt sich anders an.
Dieses Taxi dagegen war einfach nur Luxus. Gut, wir sprechen hier von einem Toyota-Minivan, aber, wenn man das mit dem vergleicht, mit dem ich bisher in Indien gereist bin, ist das Luxus. Klimaanlage, Ledersitze, Sicherheitsgurte und Beinfreiheit. Ein bisschen dekadent kamen wir uns schon vor, aber wir mussten ja schließlich dringend zu dem Amt. Interessanterweise ist das Taxi nicht durch die Innenstadt gefahren sondern auf dem Highway, der mitten durch und über die Stadt verläuft. Damit hat man doch einen signifikanten Vorteil, im Bezug auf die Reisegeschwindigkeit, jedoch muss man dafür auch jedes mal eine Gebühr zahlen, wenn man die Straße befahren will. Von diesem Highway aus, hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Stadt und irgendwie hab ich erst in diesem Moment verstanden, dass die großen Werbeplakate mit Werbung von teuren Automarken und Juwelieren, die entlang der Straßen aufgestellt sind, nicht für die Durchschnittsbürger auf der unteren Straße gedacht sind, sondern für die Nutzer des noblen Highways.
Highway in Bangalore
Nach einer guten halben Stunde, war ich am Foreigner Office angekommen und habe mir einen Antrag abgeholt. Okay, das war etwas zu einfach formuliert. Ich bin rein und habe keine Ahnung gehabt, wo ich hin sollte. Überall waren fremde Leute an Schaltern angestanden, jeder hatte packen weise Unterlagen in der Hand, es war laut, ein Baby hat geschrien, nirgendwo war ein Schild mit "Bitte als erstes hier einen Antrag holen" oder etwas anderes hilfreiches. Ich hab mich dann einfach auf gut Glück an eine Schlange angestellt und gehofft hier richtig zu stehen. Als ich an der Reihe war, hab ich gesagt, dass ich Student bin und mir wurde wortlos ein Antrag gereicht. In diesem Antrag hab ich, gefühlt, zum hundertsten Mal, meine Personalien, meine Visanummer und meine Reisepassnummer eingetragen. Ganz wichtig war dabei, dass man alle Angaben in Großbuchstaben schreiben soll. Ich habe mich jede dritte Zeile dabei erwischt wieder "normal" zu schreiben. Demnach hat der Antrag auch ausgesehen...
Verdammte Bürokratie!
Danach hab ich den Antrag abgegeben und wurde unfreundlich aufgefordert, doch morgen wieder zu kommen, denn heute gibt es keine "Token" mehr. (Ein Token ist eine Nummer, die man erhält und man muss warten bis diese Nummer aufgerufen wird.) Dann hat mich ein anderer Mitarbeiter noch darauf hingewiesen, dass mir noch der Nachweis fehlt, wo ich in Indien wohne - von wegen ich hab alles dabei.
Mehr oder weniger erfolglos und gestresst sind wir wieder zurückgefahren und haben der netten Dame im Büro gesagt, dass wir noch mehr Unterlagen brauchen und sie wollte sie "gleich" fertig machen. Am nächsten Morgen haben wir unsere kompletten Unterlagen endlich in der Hand gehalten und haben uns, diesmal mit dem Bus, wieder auf den Weg gemacht.
Im Eingangsbereich saß, genauso wie gestern, der gelangweilte Soldat mit der AK47 in der Hand und sah uns misstrauisch an. Man sieht in Bangalore allgemein viel bewaffnetes Militär.
Diesmal habe ich ein Token (mit der Nummer 100) bekommen und hab mich mit meinem Buch auf eine der vielen Sitzbänke gesetzt und abwechselnd ein paar Seiten gelesen und die Leute beobachtet. Die Nummer auf der Anzeige stand bei 72. Nach einer Stunde war die Anzeige bei 95 und ich hab mich schon innerlich gefreut hier endlich bedient zu werden, als plötzlich der Strom ausfiel. Nach fünf Minuten war der Strom wieder da und die Anzeige fing wieder bei "0" an zu zählen.
Ich hab schon damit gerechnet, dass gleich ein Beamter aufsteht und sagt, "Sorry Leute, aber Sie müssen alle einen neuen Antrag stellen und Token gibt es erst morgen wieder, ach ja und Mr. Krish, Sie müssen morgen ausreisen, weil dann die Frist um ist." Glücklicherweise hat der Zähler nach ein paar Minuten wieder bei 95 weiter gezählt. Puh! :)
Nach einer guten Stunde wurde ich endlich aufgerufen und aufgefordert in den nächsten Stock zu gehen. Ja, jetzt endlich werde ich bedient und ich kann dieses Irrenhaus verlassen.
Irgendwie hat es mich ja gar nicht so verwundert, aber im ersten Stock bot sich das gleiche Bild wie im Erdgeschoss. Jede Menge Leute, die müde und gestresst auf Stühlen herum sitzen und auf die Anzeige mit der aktuellen Token-Nummer starren. Toll, ich fragte mich wie viele Stockwerke das Haus wohl hat und ob ich mir vielleicht doch erst den Passierschein A38 hätte besorgen sollen.
Nach zwei weiteren Stunden wurde ich endlich aufgerufen und konnte meine Unterlagen loswerden. Danach musste ich wieder eine Stunde warten bis die Unterlagen "verarbeitet" wurden. Irgendwann am späten Nachmittag hielt ich endlich meine "Registrierungsurkunde" in der Hand und konnte wieder zurück fahren. Jimmy und Jonathan mussten leider noch eine Stunde länger warten, da sie an einem anderen Schalter bedient wurden als ich.
Tokenanzeige - ich hatte das Token 100
Warteraum im ersten Stock