Montag, 12. September 2011

Sabrina goes to India!

Hallo Leute!

Heute gibt es ein kleines Special - da ich nun heil in Indien gelandet bin, möchten wir euch die Möglichkeit geben, Indien noch aus einer zweiten Perspektive kennen zu lernen.

Ich bin am Samstag früh um 9 Uhr IST am Bengaluru Airport gelandet und wurde herzlich und mit einem tollen gebastelten Schild (s. Eintrag unter diesem) empfangen. Da der Micha zum Einen ein Taxi bestellt hatte und wir zum Anderen zusätzlich den Highway statt die "normale" Straße benutzt haben, war es wirklich ein sehr sanfter Einstieg in dieses mir völlig fremde Land. Zudem ist es echt sehr viel einfacher, wenn man ankommt und jemanden hat, der sich um alles kümmert - zumal man glaubt, noch nie Englisch gelernt zu haben, wenn man zum ersten Mal einen Inder sprechen hört (und ich verstehe sie auch jetzt noch nicht...)!
Bei unserer Ankunft im Hotel war es schon um die Mittagszeit, sodass wir gleich ins IIITB gegangen sind, damit ich das erste Mal indisch zu Mittag essen konnte. Und ich muss sagen: es schmeckt mir sehr gut! (Allerdings habe ich immer im Hinterkopf, dass ich mich nicht noch die nächsten paar Monate von Reis mit irgendetwas Undefinierbarem als Beilage ernähren muss sondern in zwei Wochen wieder Pasta und Schnitzel genießen kann, wenn ich möchte - ich denke, dass macht einen sehr großen Unterschied!)

Gestern war es dann aber vorbei mit der Schonfrist und wir fuhren ca. eine Stunde lang mit dem Bus in die Stadt, wo wir erst ein paar Stunden im "Forum" (also dem großen Einkaufszentrum) verbracht haben, bevor wir dann noch durch die Stadt gelaufen sind. Es ist schon ein bisschen komisch hier: ich bin so fasziniert von allem - dem Verkehr, den Kühen mitten im Verkehr, dem Lärm und wie das alles funktionieren kann - aber auch ich falle durch meine helle Haut zwischen all den Indern auf wie ein bunter Hund, was mich für viele andere Menschen hier glaube ich auch sehr interessant macht :-)
Es gibt so viel Unglaubliches zu sehen, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll und weshalb ich vieles Sehenswerte im Moment noch gar nicht mitbekomme. Der Micha lacht immer, wenn er mich fragt, ob ich dies und das gesehen habe und ich nur antworte: "Nein, ich war gerade so auf das und das fixiert, das ist so toll hier!"

Aber ich habe einen echt guten Lehrer und lerne deshalb sehr schnell. Hier könnt ihr meinen ersten Versuch sehen, wie ein Inder zu trinken:


Inder (und der Micha ^^) berühren beim Trinken eigentlich gar nicht die Flasche mit dem Mund, aber am Anfang ist es sehr schwierig abzuschätzen, ob das Wasser auch im Mund ankommt, weshalb es besser ist, die Flasche ein bisschen am Kinn abzustützen.
Unser Mittagessen hatten wir im PizzaHut - also total untypisch indisch, aber man muss es ja nicht gleich übertreiben. Hier ist auch ein kleiner Beweis dafür, dass ich sehr interessant für Inder sein muss: Für den kleinen Jungen war ich jedenfalls interessanter als seine Pizza ;-)
Da ich allerdings nicht in Indien bin, um in einem sehr westlich erscheinenden Einkaufszentrum shoppen zu gehen, sind wir nach dem Essen auch raus gegangen und durch die Stadt gelaufen. Durch Zufall sind wir an einem kleinen Tempel vorbei  gekommen, den wir beide sehr interessant fanden. Wir haben uns also die Schuhe ausgezogen, die Füße gewaschen und sind hinein gegangen. Es war himmlisch, denn obwohl der Tempel hauptsächlich aus einem Innenhof bestand, war es hier sehr viel ruhiger als draußen. 
Hier sind ein paar Bilder vom Tempel und auch ein ultimativer Beweis dafür, dass der Micha wirklich hier ist - sonst steht er ja immer hinter der Kamera ;-)



Da es danach schon langsam dunkel wurde (hier ist es abends um sieben Uhr schon zappenduster!) sind wir mit der Rikscha, die hier übrigens von niemandem Rikscha sondern "Auto" genannt wird, zur MG Road gefahren, um dort zu Abend zu essen. MG steht - wie der Micha mir erzählt hat - selbstverständlich für Mahatma Gandhi und jede indische Stadt, die etwas auf sich hält, hat so eine MG Road.
Rikscha fahren ist ein absolutes Abenteuer, weshalb wir damit nach dem Abendessen auch zurück nach Electronic City gefahren sind.

Ich bin wirklich sehr gespannt, was wir in den nächsten zwei Wochen noch alles erleben werden und freue mich darauf, euch davon zu erzählen. Bis dahin werden wir allerdings versuchen, die gemeinsame Zeit so gut es geht zu genießen!

Viele liebe Grüße vom anderen Ende der Welt (es ist so unwirklich an einem Ort zu sein, den man bisher nur von Skype-Bildern kannte...)!

Sabrina und Micha


Freitag, 9. September 2011

Besuch für mich!

Meine Freundin wird mich morgen für zwei Wochen in Indien besuchen. Auf diesen Tag freue ich mich schon, seit dem ich hier angekommen bin. :)
Ich werde sie morgen früh am Flughafen abholen und mich unter die wartenden Taxifahrer mischen. Als ich hier in Bangalore am Flughafen angekommen bin, standen direkt am Ausgang ungefähr 40 Inder mit Namensschildern in der Hand, von den Leuten, die sie abholen sollten. Da ich mit dem Bus gefahren bin und weiß, was das für eine zusätzliche Last (+3 Stunden durch die Innenstadt) ist, werde ich sie mit einem Taxi abholen. 
Dann werde ich mein gerade fertig gestelltes Schild hoch halten und auf sie warten. Ich gehe aber schon davon aus, dass sie mich übersieht. Ihr wisst ja noch wie das ist, mit dem Ausblenden von zu vielen Informationen am Anfang. 


Namensschild für Sabrina
Wundert euch nicht, dass da Krish drauf steht. Mein Nachname, also Kirsch, wurde von Anfang an falsch geschrieben und wird es auch heute immer noch. Das liegt daran, dass "Krish" der Name eines sehr bekannten Filmstars hier in der Umgebung ist und zusätzlich sehr ähnlich zu der bekannten Gottheit "Krishna" ist. Sozusagen mein indisches Pseudonym. :)

Wünsche euch ein schönes Wochenende!

Dienstag, 6. September 2011

Ganesh Chathurthi - Letzter Tag

Die laue Abendluft war getränkt mit einer Mischung aus Gerüchen von frisch gezündeten Feuerwerkskörpern, leichtem Schweiß wild tanzender Menschen und Dieselabgasen. Es war der Abend des letzten Tages von Ganesh Chaturthi.
Die Ganesha-Figur, die in unserem Fall im Hauptgebäude stand, wird nach einigen Tagen mit einer Zeremonie zum nächsten Fluss gebracht und dort versenkt.
Damit endet dieses farbenfrohe, fröhliche Festival und läutet gleichzeitig eine ganze Reihe von weiteren Feiertagen in den kommenden Monaten ein. Welche das genau sind, weiß ich mal wieder nicht so genau, aber ich werde bestimmt wieder rechtzeitig informiert. :) So wie gestern eben auch.
(rechtzeitig= 5 Minuten vorher)

Viele bunte Farben. Meine Kleider waren auch noch voll! :)
Die Abschiedsfeier könnte man so ein ganz klein bisschen mit der Beerdigung einer Kirb (Kirchweih, Kerb, Kerweschlumbl...) in meiner Heimat vergleichen. Die große Ganesha-Figur wurde auf einen Anhänger geladen, der von einem alten Traktor gezogen wurde. Um Ganesha herum standen und tanzten jede Menge Studenten, die fast alle bunte Bändchen um ihre Stirn trugen und einen gemeinsamen, lauten Sprechchor bildeten. Dann ist der Traktor angefahren und die feiernden Studenten sind wie in einem Marsch vor dem Zug hergelaufen. Mittlerweile war es auch schon dunkel und das orangefarbene, gedimmte Licht der Campusbeleuchtung und der leicht stärker werdende Regen fügte sich wunderbar in die Stimmung des Abends ein. Eine Gruppe Musiker begleitete den Zug mit Trommeln unterschiedlichster Größe und machten einen unglaublichen Krach. Immer wieder warfen einige Studenten buntes Farbpulver in die Menge und es dauerte nicht lange bis ich auch voller Farbe war. Wirklich alle anwesenden hatte fröhliche und bunte Gesichter und genossen die Zeremonie. Alle paar Meter blieb der Zug stehen, da auf dem Weg um den Campus immer wieder Feuerwerkskörper gezündet wurden, die man besser nicht ignorieren sollte. Da waren Böller dabei, die in Deutschland nicht mal in die Nähe einer Zulassungsplakette kommen würden.
Nach ungefähr einer Stunde haben wir es geschafft den Campus einmal zu umrunden (500m) und haben Ganesha aus dem Universitätsgelände begleitet, natürlich wurden dabei nochmal Raketen, Böller und Standfeuerwerk gezündet.
Danach war die Zeremonie am Campus zu Ende und ich hab mich auf mein Zimmer begeben und mir die Wunden zu lecken, bzw. die Farbe aus meinen Kleidern und meinem Gesicht zu waschen. Ist alles raus gegangen! :)
Für die unter euch, die sich fragen, ob das nicht eine ziemliche Umweltverschmutzung ist, wenn halb Indien seine Ganesha's im Wasser versenkt. Ja, das ist es und den Indern ist das auch egal.

Nein, quatsch, ist es natürlich nicht. Die Inder lieben ihr Land! :)
Es werden extra dafür verschiedene Abschnitte von Flüssen vom Rest des Flusses abgetrennt und streng kontrolliert. Jede Figur ist aus Lehm gefertigt und löst sich somit im Wasser in seine Bestandteile auf. Nachdem jede Firma, Schule, Universität und Familie ihren Ganesha zu Wasser  getragen hat, werden aus dem zurückbleibendem Lehm neue Ganesha-Figuren für das nächste Jahr gefertigt. Die aufgemalte Farbe ist umweltverträglich und fügt der Natur somit keinen Schaden zu.

Hier noch ein paar Bilder und Videos vom Festival.




Trommeln...

Trommeln, Trommeln, Trommeln...

Ganesha himself

Ganesha auf dem Anhänger

Ausgelassenes Feiern
Farbige Festivalteilnehmer

Tanzen vor Feuerwerkskörpern



Samstag, 3. September 2011

Ganesha Chathurthi - Geburtstag

Nachdem mein letzter Eintrag so lang war, gibt es heute einen kurzen. 

Am 1. September war der Geburtstag von Ganesha, das ist der Gott mit dem Elefantenkopf. Dieser Gott ist so ziemlich der beliebteste in Indien und man kann ihn so gut wie überall sehen. Entweder als drei Meter hohe Statue, oder als kleinen Schlüsselanhänger, oder auf Bildern. Achja, beim Friseur hab ich auch einen kleinen Ganeshatempel fotografiert. Er wird angebetet, wenn man Glück für den Weg oder eine Unternehmung braucht, er steht für jeden Neuanfang und verkörpert Weisheit und Intelligenz.

"Ganesha Chathurthi" ist, wenn man so will, das Weihnachten für die Hindus. Es ist einer der wichtigsten Feiertage im Jahr und deshalb ist an diesem Tag auch vorlesungsfrei.
Um diesen Tag zu feiern, wurde im Institut eine große Ganesha-Statue inklusive Tempel aufgebaut und es gab drei Zeremonien. Bei der Ersten kam ein Priester, der aussah wie ein Hippie und die anderen beiden wurde von den Studenten organisiert. Ich war bei der letzten Zeremonie dabei und hab ein paar Bilder gemacht. Es wurde gesungen, geklatscht und gebetet. Vor dem Altar wurden geschnittene Bananen, Kokosnüsse, Ananas und viele weitere Früchte der Gottheit angeboten. Insgesamt sehr ausgelassen, locker und vor allem interessant, wenn man so etwas das erste Mal sieht. Bevor ich den Tempel betreten durfte, musste ich die Schuhe ausziehen und dann stand ich vor dem großen quietsch-bunten Elefanten mit den vier Armen und der bunt blinkenden Lichterkette. Wie gesagt, die Inder sind in so vielen Bereichen so locker drauf und die Religion gehört definitiv dazu. :)

Hier noch ein bisschen Anschauungsmaterial: 



 
Zeremonie der Studenten

Statue von Ganesha

Ganzer Tempel

Abendliche Zeremonie

Freitag, 2. September 2011

Mysore - Chamundi Hills und Stadt

Hallo Freunde,

Ich habe einen roten Punkt!
kurzer Zwischenbericht: Ich hab die letzten Tage nur an diesem Eintrag geschrieben und hab ihn heute endlich fertig bekommen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich mal wieder krank bin und ich am Montag wirklich richtig fies Magen-Darm-Probleme hatte. Einzelheiten gibt es später - oder garnicht. Mittlerweile bin ich wieder wohl auf und hoffe, dass es wohl das letzte Mal gewesen ist. Hier also mein Bericht von letztem Wochenende.

Am vergangenen Wochenende bin ich das erste mal aus Bangalore raus gekommen und konnte auch mal die ländliche Seite Indiens erkunden. Mit mir kamen Jonathan, Jimmy, Ilka und Abhishek. Die ersten zwei Namen könnt ihr zuordnen, aber die anderen beiden nicht: Ilka ist aus Deutschland und studiert an der Alliance University in Bangalore und Abhishek ist Inder, kommt aus Neu-Delhi und studiert mit Ilka an der gleichen Uni. Ilka hat mich kurz vor meinem Abflug in München angeschrieben, dass sie gehört hat, dass ich auch bald in Bangalore studiere und ob wir mal zusammen was machen wollten. Gesagt, getan. Samstag Mittag hat uns unser, für das Wochenende gemietete, Taxi am IIIT-B abgeholt und wir sind zur Alliance University gefahren um die anderen beiden einzuladen um danach auf direktem Weg nach Mysore zu fahren. Ich dachte eigentlich die ganze Zeit, dass das IIIT-B etwas vom Stadtkern abgelegen ist, bis wir ca. 15 km durch die Pampa gefahren sind und plötzlich vor einem riesengroßen Tor standen, auf dem ein sehr großes goldenes Schild mit der Aufschrift "Alliance University - Business School" prangte. Diese Uni ist wirklich abgelegen, alles was den Campus umgibt ist Wiese, Wiese und Wiese. Nachdem wir uns bei den Wachleuten vorgestellt haben, riefen sie Ilka an, dass wir da sind und während wir auf sie gewartet haben, sind wir etwas auf dem Campus spazieren gelaufen. Wenn ich nicht genau gewusst hätte, dass diese Universität in Indien ist, hätte ich nicht sagen können, wo ich bin. Genauso gut hätte ich auf dem Campus der Harvard University stehen können. Alleine deren Bibliothek war so groß wie unser gesamtes Hauptgebäude. Überall waren edle Hölzer verbaut, weiße Steinböden, ordentlich angelegte Grasflächen, keine Löcher in den Gehwegen, jedes Gebäude ragte anmutig in die Höhe und dann fuhr auch noch der universitätseigene "Schulbus" an uns vorbei.

Wir waren zwar alle sehr beeindruckt, aber kamen zum gleichen Entschluss: Wenn man in Indien studieren und alles möglichst westlich haben möchte, also möglichst ohne Indien, dann sollte man hier her kommen. Mit Indien hat das alles sehr, sehr wenig zu tun. Ilka hat auch gemeint, dass die Uni zwar sehr schön, aber total abgelegen ist und sie bekommt fast garnichts von Indien mit hier draußen. Von daher war sie ganz froh endlich mal raus zu kommen, genauso wie wir auch. Wir waren sehr froh, dass wir Abhishek dabei hatten, da er mit dem Taxifahrer Hindi sprechen konnte und es somit keine Verwechslungen geben konnte, auch wenn Mayesh, der Taxifahrer, etwas Englisch konnte. In Indien ist es durchaus üblich, bzw. möglich ein Taxi inklusive Fahrer für mehrere Tage zu mieten. Es wird pro gefahrenen Kilometer abgerechnet und wir mussten zusätzlich noch sein Essen bezahlen. Dadurch, dass wir fünf Leute waren, kostete uns die Fahrt jeweils ca. 16€ für 400 km und 2 Tage - also immernoch sehr günstig.
Als wir aus Bangalore rausgefahren sind und auf dem Highway waren, hat sich die Landschaft sehr schnell verändert: Vorher konnte man maximal 100 Meter weit auf das nächste Gebäude schauen und knapp 10 Kilometer von Bangalore entfernt ragten hohe Berge aus dem Boden und man konnte sehr weit schauen. Wir haben sehr viele kleine Dörfer gesehen und es wirkte alles sehr sehr ländlich, was wirklich beachtlich ist für eine Stadt die 8 Millionen Menschen beherbergt, eine der fortschrittlichsten Städte Indiens ist und dann fährt man ein paar Minuten mit dem Auto aus der Stadt raus und man landet auf dem Land, auf dem Agrarwirtschaft betrieben wird. Die Landflucht ist hier sehr stark zu spüren.

Brindavan Garden
Unser erstes Ziel in Mysore war der "Brindavan Garden". Der Garten hat die Besonderheit, dass er sehr viele beleuchtete Springbrunnen hat, die ohne Pumpen betrieben werden. Der gesamte Garten liegt unterhalb eines großen Staudamms und somit wird die potentielle Energie des Wassers im Damm in kinetische Energie umgesetzt und den Besuchern als farbenfroher Wasserstrahl dargestellt. (Ich wollte einfach mal  etwas Schlaues schreiben! ;))
Das gesamte Gelände war sehr schön grün und vor allem ruhig gewesen. Es war schon früh dunkel und die beleuchteten Wassersträhle, Springbrunnen und die vielen Blumen und Bäume zauberten eine wirklich entspannende und schöne Atmosphäre in den warmen Abend. Das große Finale im Park war eine große Wasserfontänenanlage, die verschiedenste Farben und Wasserfontänen passend zur dazu abgespielten Musik produzieren konnte. Wir saßen mit vielen anderen Menschen auf einer Steintribüne und beobachteten die halbstündige Wassershow, die wirklich schön in die Atmosphäre gepasst hat.

Obstverkauf vor dem Eingang zum Garten

Große Wasserfontäne auf dem See

Noch mehr Wasserfontänen im Garten


Hotel & Essen & Chamundi Hills
Danach sind wir auf direkten Weg zu unserem Hotel gefahren, da wir alle sehr hungrig und auch müde waren. Nachdem wir eingecheckt und die Zimmer kontrolliert haben, alles war recht ordentlich und sauber, sind wir in ein Restaurant gegangen und dort hab ich mein erstes richtig südindisches Essen gegessen. Nicht, dass es in Bangalore kein richtig südindisches Essen geben würde, aber es gibt wohl laut Abhishek viele Restaurants die süd- und nordindisches Essen anbieten und es wohl nicht ganz so authentisch schmeckt. Vielleicht ist es so, als wenn man in Hamburg ein paar Weißwürste mit Brezel bestellen würde oder in Hof vergebens ein paar ordentliche Bratwürste essen möchte.

Ihr erinnert euch bestimmt noch an mein vernichtendes Urteil über die indische Küche und ich muss wirklich die (guten) Restaurants ausschließen. Ich hab einfach mal das bestellt, was sich am wenigsten gefährlich angehört hat und noch ein paar Scheiben Naan-Brot dazu bestellt - sicher ist sicher - und ich war sehr positiv überrascht. Das Essen war richtig, richtig lecker. Das Brot war frisch gebacken und hat schon ohne dem Hauptgericht unglaublich lecker geschmeckt und dann noch in Kombination mit dem Hühnchen und der Soße - es war ein Gefühlsmarathon für meine Geschmacksnerven.
Jimmy und Jonathan hatten zwar andere Gerichte, aber beide stimmten mir zu, dass das Essen richtig lecker war. Jetzt kann ich sagen, dass die Mensapampe einfach Mensapampe ist und die indische Küche nicht Schuld hat, dass ich bisher so enttäuscht war.
Nach meinem leckeren Dinner wollte ich nur noch schlafen. Den Anderen ging es nicht anders und deshalb sind wir recht bald ins Hotel gegangen und haben uns zum Frühstück um 7 Uhr (IST) verabredet.
In meinem Hotelzimmer angekommen, hab ich den Fernseher angemacht und mal ein wenig indisches Fernsehen geschaut. Viele Sender entsprechen dem, was wir in Deutschland auch schauen: Talkshows, Spielfilme und Homeshopping. Leider alles auf Kannada, oder welcher Sprache auch immer, das fällt mir immer noch etwas schwer einzuordnen. Zu meiner Freude hab ich den Sender HBO empfangen, auf dem amerikanischen Filme und Serien laufen und "Iron Man 2" hat mich dann in den Schlaf begleitet. Nachdem ich in der Nacht ganz gut geschlafen habe, wurde ich leider um sechs Uhr vom im stärker werdenden Verkehr geweckt. Das Frühstück war ganz okay. Es gab indischen Kaffee, das heißt er war sehr süß und mit viel Milch vermischt, Toast (frisch getoastet) und Marmelade (auch sehr süß).

Nachdem wir alle miteinander gestärkt waren, haben wir uns auf den Weg zu den "Chamundi Hills" gemacht. Das ist ein großer Berg mitten in der Stadt. Okay, er ist mehr als das. Er ist ein sehr heiliger Ort, nicht nur für die Hindus und dort steht ein ca. 2000 Jahre alter Tempel, der sehr bekannt ist. Der Legende nach wurde "Mahishasura", ein indischer Dämon, der Himmel und Erde terrorisiert hat, von der Göttin "Durga" in Maysore vernichtet und daraus leitet sich auch der Name für die Stadt ab. Ursprünglich hieß der Dämon "maisūru" und daraus wurde später Mysore, was so viel bedeutet wie "Stadt des Büffels".

Auf dem heiligen Hügel angekommen, ragte ein sehr großer goldfarbener Tempel anmutig in die Höhe und daneben ein etwas Kleinerer. Wir sind in den etwas kleineren, älteren Tempel gegangen. Vorher mussten wir unsere Schuhe ausziehen und Eintritt zahlen. Was die Gebühren angeht, sind die Inder sehr spontan und einfallsreich: Jimmy musste 50 Rupien zahlen, Jonathan 20 Rupien und ich sollte 100 Rupien zahlen - was wohl an meiner Kamera lag. Ich hab zu dem Typ, der mich abkassiert hat, gesagt, dass ich nicht mehr als 20 Rupien zahle. Daraufhin hat er mit dem Kopf gewackelt und gesagt: "Yes Sir, whatever you want Sir". :)
Im Tempel war es sehr ruhig und sauber. Wir durften sogar mit den farbenfrohen Pulver, das es in Indien häufig zu sehen und zu kaufen gibt, die indischen Gottheiten verehren, was uns am Ende nochmal 500 Rupien gekostet hat. (Zur Erinnerung: 100 Rupien =  ca. 1,50€). Nachdem Jimmy ihm das Geld gegeben hat, wollte er von Ilka und mir auch nochmal jeweils 500 Rupien, in dem Moment ist uns das alles sehr komisch vorgekommen und wir fragen uns heute noch, ob der Typ dort eigentlich gearbeitet hat. Im Endeffekt könnte sich da jeder englischsprachige Inder hinstellen und ahnungslose Touristen abziehen.

Danach haben wir einen Moment lang die schöne Aussicht genossen und wollten als nächstes den Palast von Mysore besichtigen.

"Sicherheitsangestellter" vor dem Hotel

Altes Auto in der Nähe vom Hotel


Dämonfigur direkt am Eingang von den Chamundi Hills

Großer, goldener Tempel (ca. 300 Jahre alt)

Inder in traditionellen Gewändern

Ilka und ich bei der Verehrung der Götter, ich weiß immer noch nicht welche genau wir da verehrt haben :)
Aussicht von den Chamundi Hills




Palast
Am Palast angekommen, wurde uns sofort klar, dass der Palast ein absoluter Touristentreffpunkt ist: Viele, viele Parkplätze, Stände mit Souvenirs und an jeder Ecke Straßenhändler, die einem die neuesten Sonnebrillenmodelle oder Luft-Fächer verkaufen möchten. Vor dem Eingang angekommen, wollten wir uns Tickets kaufen und freuten uns schon auf den schönen Palast, bis wir die Preise gesehen haben. 20 Rupien für Einheimische und 200 Rupien für Ausländer. Wir sollten 10mal so viel zahlen wie Einheimische. Nachdem uns Abhishek geraten hatte, den Preis nicht zu bezahlen, da der Palast es nicht wert ist, sind wir wieder gegangen. Vorher hab ich aber noch ein paar Bilder durch das Eingangstor gemacht, wenn ich schon nicht rein gegangen bin.
Es ging nicht um die 200 Rupien (3€) die man für den Eintritt zahlen musste, sondern um die (erneute) Abzocke von Ausländern und es geht auch um das Verhältnis zwischen Einheimischen und Ausländern. Das ganze war ein totaler Reinfall und eine erneute Abzocke. Danach entschlossen wir uns dazu in den Zoo von Mysore zu gehen und hofften, dort etwas fairer behandelt zu werden.

Eingangsbereich vor dem Palast

kleiner Teil von dem Palast




Zoo
Die Eintrittspreise wurden wieder unterschieden, nur diesmal sollten wir "nur" das doppelte zahlen, also waren es für uns dann 50 Rupien, was unglaublich günstig für so einen großen Zoo ist. Ich musste natürlich wieder extra Geld bezahlen, weil ich meine Kamera dabei hatte, die mich 30 Rupien extra gekostet hat. Wir waren nicht all zu lange im Zoo, da es, besonders mir, nicht gefallen hat. Die meisten Tiere haben psychisch verstört ausgesehen, was vielleicht an den ganzen Besuchern lag, denen ein schlafendes, ruhiges Tier zu langweilig ist und sie deshalb versuchten mit Stöcken, Rufen und Pfeifgeräuschen das Tier zu etwas Atemberaubendem, Spektakulärem zu überreden, wie, zerfleische deinen Zellenkumpanen, oder flüchte um dein Leben, du dummes Tier. Hauptsache der Pöbel ist begeistert. Auch wenn überall Schilder hingen, dass man das bitte unterlassen soll, hat sich niemand daran gestört, selbst die Wärter nicht, falls man einmal einen von denen gesehen hat. Im Großen und Ganzen war der Zoo eine Geldmaschine und nicht mehr, leider. Das traurige ist, dass ich nach zwei Stunden den Zoo wieder verlassen konnte.

Ich glaube die sind überall ;)

Die Inder haben echt Humor

Schlafender Tiger

Psychotischer Affe

Ich glaube das könnten Rehe sein, oder auch nicht

Interessant finde ich den Vogel, der auf ihm sitzt. Wenn man Tierdokumentation sieht, sitzt auch immer ein kleiner Vogel auf einem Nashorn. Sehr authentisch.

Giraffe beim Essen, auch wenn sie gerade nicht kaut, sie war beim Essen


Heimreise und Berge
Etwas betrübt stiegen wir ins Auto und fuhren nochmal zu einem Restaurant, da wir alle sehr hungrig waren und der Zoo keine wirklich vertrauenerweckende Mahlzeiten angeboten hat. Diesmal hab ich mir Tandoori-Chicken bestellt. Zuhause hab ich das schon ein paar mal selber gekocht und wollte jetzt wissen, wie sehr ich daneben liegen würde. Unter anderem hatte ich auch einfach Hunger darauf. :)
Überraschenderweise sah das Hühnchen sehr ähnlich zu meinen Versuchen aus und der Geschmack lag auch sehr nah beieinander. Nur der Dip, der mir zum Essen serviert wurde, hatte eine ganz andere Farbe: Er war Mint-Grün. (Falls es diese Farbe gibt :))
Mal sehen, ob ich das auch noch hin bekomme...

Danach haben wir uns auf dem Heimweg gemacht und waren alle, inklusive dem Taxifahrer, sehr müde und erschöpft. Kurz vor Bangalore sind wir auf die Idee gekommen, nochmal einen kleinen Ausflug in die Natur zu machen, da man von der Straße aus wunderschöne, hohe Berge sehen konnte und wir uns gefragt haben, ob wir nicht auf so einen Berg klettern könnten.
Gesagt, getan. Nach einem sehr steilen und schwierigen Aufstieg, standen wir auf dem Gipfel und hatten eine wunderschöne Aussicht auf das umgebende Land und den Sonnenuntergang.

Diesen Berg haben wir erklommen

Kleiner indischer Junge, der in dem Dorf lebt, das direkt bei den Felsen war

Aussicht in die Ferne

Aussicht in die andere Ferne

Aussicht auf mich! Nein, das ist Wind in meinem Shirt, ich hab abgenommen, nicht zugenommen.



Der Bericht ist leider etwas lang geworden. Ich werde in Zukunft mehr Acht auf eine kürzere Ausdrucksweise geben. Versprochen! :)
 



Freitag, 26. August 2011

Essen Essen Essen...

So, nun endlich kann ich euch ein bisschen zeigen was ich hier jeden Tag in mich rein schlinge - ich hab nämlich den Speiseplan gefunden! :)
Gut, er hängt direkt am Eingang und man muss schon mit geschlossenen Augen daran vorbeilaufen, aber scheinbar reagiert mein Körper mit einer Art Filter-Schutzfunktion vor zu vielen neuen Eindrücken. Ich bin schon gespannt, was ich in den nächsten Wochen noch alles entdecke. Vielleicht gibt es schon von Anfang an hier neben den indischen Gerichten auch ne Schnitzel- und Biertheke und ich hab sie bisher nur ausgeblendet. Nein, war nur Spaß! ;)

Also, ich fang mal an:
Essen in Indien. Eigentlich ist es wie in Deutschland. In der Uni gibt es Mensafraß und außerhalb kocht man eben das, was man selbst gern möchte - diese Option ist mir leider bisher verschlossen geblieben. Natürlich kann man hier auch in Restaurants essen gehen, oder man holt sich ne leckere, schmackhafte Portion Masala Puri vom freundlichen Straßenhändler nebenan, mit der Extraportion "Stirb, stirb, stirb".

Mensapampe
Das "Essen" wird hier außerhalb vom Campus zubereitet und kommt dann zweimal am Tag mit dem Transporter zu uns an den Campus. Direkt neben der Uni ist der sogenannte "Food Court", das ist ein Gebäude (älteren Baujahrs) in dem wohl irgendwann einmal ein Wohnmobil detoniert sein muss, denn es gibt hier jede Menge Plastikstühle, Plastiktische und die Wände und Decken sehen auch etwas mitgenommen aus. Zumindest regnet es nicht durch das Dach auf das gute Essen, wäre ja noch schöner, wenn die Pampe wie ein Bachlauf bei Hochwasser von der Edelstahlplatte davon fließt, bevor man in den Hochgenuß kommen kann, seine Geschmacksknospen zu vergraulen.
Nachdem der Transporter, mit der Aufschrift "Karnataka State Permission", eingetroffen ist, wird die Ladung in Edelstahlbehältern zum Zubereitungsareal getragen und in große Edelstahltöpfe umgesiedelt. (Anfangs hab ich mir gedacht: "Karnataka State Prison" würde besser passen ;)).
Normalerweise stehen zu diesem Zeitpunkt schon an die 100 Studenten in einer Reihe um sich endlich die zweimal tägliche Portion Wahnsinn abzuholen, die in den Edelstahlplatten in die dafür vorgesehenen Vertiefungen abgefüllt wird. Man darf sich sein Essen selbst aussuchen und wie viel man davon möchte. Am Anfang ist es sehr hilfreich von Allem nur Etwas zu nehmen, so kann man die verschiedenen Gerichte probieren und wenn man noch mehr davon möchte, soll es auch schon mal gegeben haben, darf man gerne nochmal einen Nachschlag haben.
Es gibt weiterhin drei von sechs Gerichten die immer gleich sind, zumindest bis jetzt.
Das sind Folgende: (Die Bilder sind aus dem Internet und nicht vom Food-Court, sieht aber sehr ähnlich aus)

rajma - Bohnen mit was auch immer
Reis - das kennt ihr ja :)
Dal - Linsen mit noch was Anderem


Ansonsten wechseln die Gerichte täglich bzw. kommt alle zwei Wochen dann immer wieder das Gleiche. Ebenso zu den bereits genannten Gerichten gibt es täglich eine Platte Salat, d.h es gibt Gurken und Tomaten, von der man sich selbst bedienen darf und ein Topf voll "curd", das ist so eine Art flüssiger Quark, der besonders gut zum Entschärfen geeignet ist. :)
Im Allgemeinen ist das Essen hier nicht soooo scharf, dass man es nicht essen kann, aber Manches übertrifft dann doch die Belastbarkeit des durchschnittlichen deutschen Geschmacksnerven. 

Hier sind noch ein paar Gerichte die es in den letzen Tagen gegeben hat:

radish sambar - Mehr oder weniger eine Gemüsesuppe - Achtung scharf!!!

aloo dry - Sehr scharfe Kartoffeln mit Gemüse, aber sehr lecker




Jalebi - Sehr süßer Nachtisch --> lecker


Kheer - Sieht aus wie Milchreis, ist es aber nicht


Matar und Paneer - Ich glaube das Paneet sind die eingeweichten Brotstücke :)



Das ist "chiabatti" und das gibts jedes mal dazu und wird frisch vor Ort gebacken


Hausgemachtes
Hausgekochte Gerichte hab ich bisher nur einmal bei meinem Freund Rahul probieren können, der einen kleinen Kocher in seinem Zimmer hatte und gerade, als ich bei ihm war, etwas Vegetarisches gekocht hatte. Das war wirklich lecker! Aber leider weiß ich wieder nicht wie es heißt. :)

Restaurants
Das Essen in den Restaurants konnte ich bisher nicht all zu oft testen, aber bisher fand ich es sehr gut. Ich hatte bisher immer Tandoori-Chicken mit Reis und chiabatti. Im Allgemeinen kann man wohl sagen, dass das Essen hier am Campus nur deshalb bei mir so schlecht abschneidet, weil es wie häufig auch in deutschen Mensen nur ein Versuch war, ein richtiges Essen zu kochen und wenn ich ganz ehrlich bin, ist das Essen hier auf keinen Fall schlecht. Man muss sich einfach etwas daran gewöhnen und ich glaub mich stört am meisten, dass es ausschließlich vegetarische Gerichte sind und ich mich doch ein, zwei Mal die Woche nach einen Happen Fleisch sehne.

So viel zu meinen Essengewohnheiten und mein damit verbundener Gewichtsverlust. :) Ich hab keine Ahnung wie viel ich seit meiner Ankunft abgenommen habe, aber meine Hosen sind mir jetzt alle zu weit. Wer die Möglichkeit hat einmal indisch essen zu gehen, sollte unbedingt die Möglichkeit ergreifen und es mal ausprobieren, denn es ist wirklich ein Erlebnis.

Hier noch ein paar Bilder vom Food-Court vom Campus:

ein paar Studenten beim Essen holen

Das weiße Licht kommt vom Hinterhof, dort gibt es das frische Chiabatti.

Die drei linkesten Behälter enthalten immer die gleichen Gerichte.



So, das wars schon wieder.
Machts gut!
Micha